Sommer in Berlin Teil 7

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

 

In einem Blog über Berlin darf natürlich das Thema Museen bzw. Ausstellungen nicht fehlen. Es würde den Rahmen eines Blogs sprengen, wenn ich auf all die vielen Möglichkeiten, hier Kunst und andere Dinge, die man in Ausstellungen erleben kann, eingehen würde. Ich beschränke mich deshalb auf drei Ausstellungen.

Als Erstes möchte ich in diesem Zusammenhang das Panorama-Bild: „Die Mauer“ von Yadegar Asisi erwähnen. Berlin ist untrennbar mit der Mauer verbunden. Erst jetzt im August war der 60. Jahrestag des Mauerbaus. Viele Touristen werden jährlich von dem Thema „Berliner Mauer“ angezogen. Checkpoint Charlie und das Mauermuseum sind sehr beliebte Ausflugsziele. Wahrscheinlich, weil sich 32 Jahre nach dem Mauerfall niemand mehr vorstellen kann, dass diese große Stadt einmal viele Jahrzehnte durch eine Betonmauer geteilt war. Ich selbst habe es, als ich die Mauer als Jugendliche mit eigenen Augen gesehen habe,  auch nicht glauben können. Der Künstler Yadegar Asisi ist durch seine großartigen Panoramabilder in Leipzig bekannt. Er hat in einem Rundbau, in unmittelbarer Nähe zum Checkpoint Charlie, ein großes Panoramabild zu diesem Thema geschaffen. Er selbst kam als Sohn persischer Eltern in den sechziger Jahren in die DDR und wuchs in Halle/ Leipzig auf. Er beschreibt seine Kindheit als behütet. Da er einen internationalen Pass besaß, konnte er jederzeit ausreisen und beschloss 1973 in Westberlin Kunst zu studieren. An der Stelle habe ich etwas gestutzt, weil, wenn Asisi sein Leben in der DDR als so geborgen empfand, dann frage ich mich, warum er nicht in Leipzig an der Kunsthochschule studiert hat? Aber er wird seine Gründe gehabt haben und wählte das freiere Westberlin als Aufenthaltsort. Seine erste Wohnung befand sich in Kreuzberg mit direktem Blick auf den Mauerstreifen und einem Wohnblock, der sich auf DDR Gebiet befand. Diese Situation hat er als Grundmotiv genommen, um daraus eine Kreuzberger Straßenszene zu gestalten. Das ganze hat er zeitlich an einem Novembertag in den 1980er Jahren verortet. Ich war Mitte der 80er Jahre im November in Berlin und ich fühlte mich beim Betreten dieser Straßenszene in diese Zeit zurückversetzt. Asisi ist es gelungen, die Atmosphäre dieser Zeit wieder hervorzurufen, sodass ich Gänsehaut bekommen habe. Zusätzlich zum Bild werden Tondokumente mit Aussagen von Ulbricht und Honecker eingespielt. Ich war sehr erleichtert, nach diesem beklemmenden Ausflug in die Vergangenheit wieder in die Gegenwart zurück kehren zu können.

 

Die zweite Ausstellung, auf die ich eingehen möchte, ist das Illuseum. Diese Ausstellung hat sich der Präsentation optischer Täuschungen verschrieben, einem Thema was mich als bildende Künstlerin schon immer begeistert hat. Das Illuseum ist als Rundgang konzipiert, bei welchem der Besucher einzelne Bilder, die eine optische Täuschung erzeugen, betrachten bzw. auf sich wirken lassen kann. Auch gibt es betretbare Installationen, die dazu ausdrücklich einladen, Fotos mit diesen Illusionen zu machen. Diese Möglichkeit wird von jungen Leuten sehr gerne angenommen. Das Thema optische Täuschung wird hier locker und leicht verdaulich präsentiert. Schade fand ich, dass die Einrichtung viele Kinder z.B. im Rahmen eines Kindergeburtstages anzieht, denen oft die Ruhe fehlt, die einzelnen Objekte auf sich wirken zu lassen. Ich finde, dass das Illuseum sich für Kinder ab12 Jahre besser eignet, um diesen Phänomenen auf den Grund zu gehen.

 

 

 

Zum Schluss möchte ich hier noch das Futurium erwähnen. Dieses Haus wurde 2019 eröffnet. Es ist in einem modernen Bau gleich neben dem Hauptbahnhof untergebracht. Das Futurium beschäftigt sich mit Fragen rund um das Thema: „ Wie wollen wir in Zukunft leben?“. Ein sehr spannendes Thema, wie ich finde. Es gibt heute wohl kaum noch jemanden, den die Themen rund um den Klimawandel und Digitalisierung kalt lassen. Die Ausstellung ist in drei große Themenbereiche aufgeteilt: Mensch, Natur und Technik. Daran orientierend werden Themen wie Städteplanung/ Hausbau, Wiederverwertung von Müll, ressourcenschonende Energiegewinnung, künstliche Intelligenz und zunehmende Digitalisierung des Alltages in den Fokus genommen. Zu der Darstellung der einzelnen Probleme gibt es immer auch Lösungen, an denen weltweit schon gearbeitet wird. Aber auch kritische Sichtweisen  werden eingenommen, wie der Umgang mit Konsum. Die einzelnen Stationen laden zur Interaktion ein. Nie wird das Wissen dröge und langweilig präsentiert. Darüber war ich sehr erstaunt, weil ich mir das Ganze vorher nicht so richtig vorstellen konnte. Hier ist es gelungen, die Probleme unserer Zeit nicht mit erhobenen Zeigefinger zu präsentieren, sondern auch Ausblicke auf Lösungen auf zu zeigen. Das hat mich sehr ermutigt, mich noch stärker mit diesen Themen auseinander zu setzen. Zum Beispiel können Balkonbepflanzungen mit blühenden Kräutern und Kleinbüschen jede Menge für das Mikroklima tun.

 

 

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